Eine Person mit grauen Locken sitzt auf einem fliegenden Sessel mit Düsenbetrieb, den sie steuert.

Phase 2: Exploration

In der Explorationsphase wird die Erkundung der nunmehr weit ausformulierten Maßnahme gewissermaßen in einen größeren Raum gestellt. Die Phase hat die Funktion, unter Einbeziehung weiterer Akteursgruppen bzw. im Vergleich mit ähnlichen Maßnahmen, etwa in anderen Städten, noch einmal zu prüfen, ob bei der Formulierung der Maßnahmenbeschreibung möglichst alle Bedarfe berücksichtigt wurden. Sie prüft auch, ob verschiedenste denkbare Lösungsansätze bedacht und abgewogen und vorhandenes Wissen einbezogen wurde. Dadurch wird in Abhängigkeit von der Zielstellung das Verständnis für mögliche Lösungsansätze weiter geschärft. Durch Recherchen und Interviews mit Nutzer:innen sowie Expert:innen werden verwandte Beispiele guter Praxis untersucht und bestehende Annahmen verifiziert. Schlüsselakteur:innen für die weiteren Prozessphasen werden identifiziert und miteinbezogen. Erkenntnisse aus früheren Vorhaben und anderen Städten werden für die weitere Entwicklung berücksichtigt. Diese Phase baut auf dem Vorprozess auf und vertieft ihn weiter. Entsprechend wichtig ist es, sich an dieser Stelle bereits die Frage gestellt zu haben, ob die Abschlussfragen des Vorprozesses beantwortet werden konnten und inwieweit noch Bedarf für eine Vertiefung besteht. Sollte kein Bedarf mehr bestehen, kann direkt in Phase 3: Prototyping übergegangen werden.

Ergebnis: Am Ende der Phase tehen ein noch klareres Verständnis der zu adressierenden Bedarfe, sowie erste operationalisierbare Lösungsansätze, die in partizipativer Abstimmung entwickelt wurden und in die Erprobungsphase gehen können. Zudem werden in dieser Phase Indikatoren festgelegt, mit denen später die Wirksamkeit der Maßnahmen überprüft werden kann.

Für die Prozessbegleitung wurden speziell auf die Bedürfnisse der Maßnahmen angepasste Methoden entwickelt und als digitale Arbeitsvorlagen für Miro ausgearbeitet. Diese Zusammenstellung ist eine Weiterentwicklung der Methoden aus dem Handbuch Öffentliches Gestalten und auf die Phasenziele der GD:B Strategie zugeschnitten.

Das CityLAB Berlin bietet eine Reihe von Phasenübergangsworkshops an, in denen gemeinsam mit den GD:B Maßnahmen eine Auswahl der hier dargestellten Methoden zugeschnitten auf den Bedarf der Maßnahme bearbeitet wird.

Auswahl digitaler Methoden für Phase 2: Exploration

Hinweis zur Nutzung von Miro-Vorlagen: Die Vorlagen sind nur zur Ansicht. Um eine Vorlage zu bearbeiten, muss eine Kopie des gesamten Boards erstellt werden. Genaue Anleitung gibt es hier.

Ausgangslage verstehen

Sollte eine Maßnahme gestartet werden, ohne dass der Vorprozess erfolgreich durchlaufen wurde, so ist es sinnvoll, kompakte Methoden anzuwenden, um die Ausgangslage zu verstehen. Dies ist die notwendige Voraussetzung, um passende Lösungsansätze entwickeln zu können: Sind alle vorhandenen Bedarfe bekannt? Wurden bestehende Annahmen verifiziert und ist das vorhandene Wissen aufgegriffen worden? Sind Schlüsselakteur:innen sowie weitere relevante Stakeholder identifiziert?

Folgende Methoden, die auch im Vorprozess schon zur Anwendung kamen, können diesen Schritt unterstützen:

  • Wissensatlas

    Beschreibung: Sicherlich tauchen in der Recherche neben dem gesammelten Wissen auch neue Fragestellungen und ggf. Zweifel auf. Bei der Kartierung wird Unwissen nicht verdrängt, sondern aktiv adressiert, um auf konkrete Potenziale hinzuweisen. Wissen und Unwissen können so passgenau in den weiteren Prozess integriert werden.

    Mehrwert: Durch die Nutzung dieser 2x2 Matrix erkennen wir an, dass wir uns in einem komplexen Umfeld bewegen. Die aufgedeckten blinden Flecken bilden die Grundlage, um sie zu bearbeiten und für eine Problemlösung zu nutzen. Wir sehen, was für die Weiterentwicklung am relevantesten ist. Als Team beginnen wir nicht nur über Ähnliches, sondern über das Gleiche zu sprechen.

    Arbeitsmaterialien: [Miro] [PDF]

    Aus dem Handbuch Öffentliches Gestalten – S. 102-105 „Wissensatlas“

  • Akteure kartieren

    Beschreibung: Öffentliche Innovation zielt darauf ab, komplexe Probleme zu lösen und Systeme zu verbessern. Solche Veränderungen können allerdings nur für und mit den Menschen gestaltet werden, die im entsprechenden Umfeld handeln. Mit der Kartierung der relevanten Akteure werden jene Personengruppen benannt, die von den Effekten betroffen oder für die Ursachen verantwortlich sind.

    Mehrwert: Die Akteure nehmen aufgrund ihrer unterschiedlichen Rollen und Interessen unbewusst oder bewusst einen Einfluss auf die Situation. Indem ihre Sichtweise als wertvoller Wissensbestand erkannt wird, können sie im Prozess beteiligt werden. So lassen sich Schlüsselakteure bestimmen, die im Prozess zu beteiligen sind. Ihre Perspektive inspiriert die Gestaltung von wertvollen Lösungsansätzen.

    Ablauf:

    1. Das Schema dieser Vorlage auf ein großes Blatt Papier übertragen (Digital: Auf ein digitales Whiteboard, z.B. Miro) und das zentrale Problem oben eintragen.
    2. Betroffene Akteure in Verwaltung, Organisation oder Gesellschaft identifizieren.
    3. Welche Menschen oder Zielgruppen sind innerhalb und außerhalb der
    4. Verwaltung oder Organisation vom Problem betroffen? Pro Klebezettel einen Akteur
    5. oder eine Gruppe notieren. Je relevanter das Problem und dessen Auswirkungen auf den Akteur ist, umso näher rückt der Klebezettel in die Mitte.
    6. Verantwortliche Akteure in Organisation und Gesellschaft verorten. Welche Personen oder Einheiten sind innerhalb und außerhalb der Organisation für die Beseitigung des Problems zuständig bzw. für dessen Ursachen verantwortlich?
    7. Schlüsselakteure haben sich in der Mitte angesammelt. Überlegen, welche dieser Personen stellvertretend für die jeweiligen Akteursgruppen kontaktiert werden sollen, um sie z.B. im weiteren Verlauf des Vorprozesses zum Thema zu befragen.
    8. Beziehung zwischen den Schlüsselakteuren in der Mitte abschließend näher beschreiben. Dafür kann z.B. die mitangehängte Vorlage „Akteursbeziehungen“ genutzt werden.

    Arbeitsmaterialien:

  • Archetypen-Profile

    Beschreibung: Archetypen repräsentieren in der Regel eine Gruppe von Menschen, wie bspw. unsere Schlüsselakteure, die gemeinsame Interessen, Verhaltensmuster oder demographische Ähnlichkeiten aufweisen. Sie basieren zunächst auf aggregierten Annahmen, die mit Erkenntnissen aus der Untersuchung angereichert und untermauert werden.

    Mehrwert: Ziel ist es, unterschiedliche Bedürfnisse, Erfahrungen und Erwartungen, die in Archetypen-Profilen empathisch herausgestellt werden können, zu finden.

    Arbeitsmaterialien: [Miro], [PDF]

  • Interviews führen

    Beschreibung: Eine direkte Auseinandersetzung mit Nutzer:innen ermöglicht es, die eigene Perspektive zu wechseln und bestehende Annahmen zu überprüfen. Durch das Eintauchen in die Lebenswelt der Nutzer:innen können wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden, um ihre Bedürfnisse und Erwartungen besser zu verstehen.

    Mehrwert: Das Ziel von User Experience-Interviews (Erfahrungswelt der Zielgruppe vor, während und nach der Nutzung eines Services oder Produkts) ist es, die Bedürfnisse und Erwartungen von Nutzer:innen zu identifizieren, um eine bessere Grundlage für das Design und die Entwicklung von Produkten oder Dienstleistungen zu schaffen.

    Arbeitsmaterialien: [Miro] (mit Vorbereitung); [PDF] (mit Vorbereitung); [Miro] (ohne Vorbereitung), [PDF] (ohne Vorbereitung)

  • Nutzer:innenversprechen

    Beschreibung: Die Vorlage "Nutzer:innenversprechen entwickeln" ermöglicht es dir, die Maßnahme und die Zielgruppen genauer zu beschreiben und die "Übereinstimmung" zwischen dem Mehrwert der Maßnahme, den du schaffen möchtest, und den Erwartungen deiner Zielgruppen zu bewerten.

    Mehrwert: Ziel ist es, das Bedürfnis deiner Zielgruppe und das Angebot besser aufeinander abzustimmen.

    Arbeitsmaterialien: [Miro], [PDF]

  • User Stories entwickeln

    Beschreibung: Mit dieser Methode formulierst du Ergebnisse aus deiner Nutzenden-Analyse als einzelne User Stories. Diese beschreiben die Merkmale eines Produkts oder eines Services aus der Nutzer:innenperspektive.

    Mehrwert: Ableitung der Produkteigenschaften einer Lösung aus der Perspektive der Nutzenden

    Arbeitsmaterialien: [Miro], [PDF]

Ideen entwickeln

Neues entstehen lassen - auch darum kann es in der Explorationsphase gehen: Durch Inspirationen aus dem Umfeld, Austausch mit Expert:innen und Kreativtechniken werden vielfältige Lösungsansätze für die vorab erarbeiteten Potenzialfelder gesammelt. Aus dieser Vielfalt werden die wertvollsten Ideen ausgewählt und Konzepte vertieft. Das Ziel dieser Formate ist nicht eine fertige Lösung, sondern die Herausarbeitung eines Ideenkerns.

Methoden, die zu diesem Schritt passen:

  • „Wie können wir…?“-Frage

    Beschreibung: „Wie können wir...“-Fragen (Wkw-) können als lösungsorientierte Denkhaltung verstanden werden. Dieser Satzanfang ermöglicht es, Herausforderungen konstruktiv zu benennen und mit dem Fokus auf die Sache zu bearbeiten. Sie schaffen eine Schnittstelle zwischen dem "Verstehen" von Problemen und dem "Erkunden" möglicher Lösungen. Sie zerlegen eine Design-Herausforderung in Teilaspekte, welche einzeln adressiert werden können.

    Mehrwert: Die Methode reduziert die Komplexität, da nun einzelne Teilprobleme angegangen werden können und bilden die Ausgangslage für die Anwendung von Ideations-Methoden.
    Arbeitsmaterialien: [Miro], [PDF]

  • Referenzmaterialien

    Beschreibung: Referenzmaterialien sind eine bewährte Methode, um Ideen zu sammeln und Inspirationen zu finden. Insbesondere beim Brainstorming können sie als Grundlage für eigene Ideen und Konzepte dienen.
    Mehrwert: Ziel ist es, einen systematischen Datenpool zu schaffen, um inspirierende Beispiele zu organisieren und durch Kategorien vergleichbar zu machen.
    Arbeitsmaterialien: [Miro], [PDF]

  • Lightning

    Beschreibung: Es handelt sich um dreiminütige Präsentationen von inspirierenden, bestehenden und relevanten Lösungen. Dabei kann es sich auch um bestehende Lösungen von anderen Unternehmen, anderen Produkten oder Dienstleistungen oder andere Bereiche handeln. Jedes Teammitglied stellt einen Lösungsansatz vor, der ihm/ihr besonders gefällt. Das Ziel dieses Schritts ist nicht, eine bloße Kopiervorlage für die eigene Lösung zu identifizieren. Vielmehr geht es darum, das „Baumaterial“ für den eigenen Lösungsansatz zu sammeln.
    Mehrwert: Es werden existierende Ideen und Lösungsansätze ermittelt, die als Ausgangsmaterial für neue Ideen dienen.
    Arbeitsmaterialien: [Miro], [PDF]

  • Sturm der Ideen

    Beschreibung: Das Ziel der Übung ist es, innerhalb kürzester Zeit so viele Ideen wie möglich zu entwickeln. Es ist eine großartige Möglichkeit, Blockaden zu lösen und sich aufzuwärmen, um tiefergehende Ideen zu entwickeln. Das Motto der Übung lautet: Quantität vor Qualität. Das Wichtigste ist, eine Masse von Ideen zu sammeln, die kuratiert und ausgebaut werden kann. Es spielt keine Rolle, ob eine Idee gut oder schlecht ist, schreibe sie einfach auf, um sie schnell aus dem Weg zu räumen und mit der nächsten fortzufahren. Jede Idee wird auf einem neuen Klebezettel in Form eines kurzen Satzes notiert, der die Idee prägnant beschreibt.

    Mehrwert: Methode für ein Brainstorming, die viele Ideen in kurzer Zeit erzeugt.
    Arbeitsmaterialien: [Miro], [PDF]

  • Ideengenerator

    Beschreibung: Im Ideen-Generator wird ein Problem oder eine Fragestellung aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Es werden neue provokative Ansätze genutzt, um weitere oder gänzlich neue Ideen zu entwickeln. So können schnell und umfassend viele überraschende Gedanken formuliert und in Betracht gezogen werden. Um das Werkzeug effektiv zu nutzen, sollte der Ausgangspunkt (z.b. die Konzeptidee aus den Lightning Demos) übersichtlich dargestellt werden.
    Mehrwert: Durch neue Perspektiven werden innovative Ideen entwickelt, die nicht naheliegend sind
    Arbeitsmaterialien: [Miro], [PDF]

Ideenauswahl

Dieser Schritt folgt immer auf eine Ideations-Session und beantwortet folgende Fragen: Welche Idee soll weiterentwickelt werden? Wie entsteht aus einer Idee ein Lösungsansatz? Wie wirkt sich dieser Lösungsansatz langfristig aus?

  • Ideenauswahl

    Beschreibung: Durch die Anwendung von Kreativtechniken sind viele tolle und vielleicht auch unkonventionelle Ideen entstanden, die noch nicht auf Machbarkeit geprüft sind. Mit Methoden wie einer Mehrwert-Aufwand-Matrix kann der Kern eines Lösungsansatzes herausgearbeitet. Mit den Empfehlungen können Ideen priorisiert werden. Das erleichtert eine abgestimmte Auswahl der Aktivitäten und zeigt auf, wo Zeit und Ressourcen am besten eingesetzt werden können.

    Mehrwert: Erste Ideen auf Herz und Nieren prüfen

    Arbeitsmaterialien:[Miro], [PDF]

  • Ideenskizze

    Beschreibung: Mit der Ideenskizze kannst du auf die zentralen Elemente einer Idee eingehen, die die Bedürfnisse und Erwartungen der betroffenen Zielgruppen erfüllen. Die Elemente wie zum Beispiel Funktionen, Features, Bilder und Textblöcke werden durch Kurzbeschreibungen greifbar und einfacher kommunizierbar gemacht.

    Mehrwert: Ziel ist es, die Ergebnisse aus einer intensiven Arbeitsphase zusammenzufassen und eine übersichtliche Darstellung der zentralen Elemente einer Idee zu erstellen, einschließlich der Herausforderung, des Lösungsansatzes und des Mehrwerts für die jeweiligen Akteur:innengruppe.

    Arbeitsmaterialien: [Miro], [PDF]

  • Future Wheel

    Beschreibung: Mit dem Future Wheel setzt du dich konstruktiv mit den größten Risiken und Chancen auseinander und entwickelst umsetzbare Schritte, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen und die negativen Auswirkungen zu vermeiden. Besonders nützlich werden die Erkenntnisse, wenn du direkte und indirekte Konsequenzen für verschiedene Kategorien – zum Beispiel technologisch, sozial oder politisch – betrachtest.

    Mehrwert: Als Brainstorming- und Diskussions-Technik hilft die Methode, Zukünfte zu evaluieren, die Auswirkungen von Trends und Ereignissen strukturiert zu erfassen und mögliche Handlungsräume bzw. Möglichkeitsfelder für die Umsetzung zu finden

    Arbeitsmaterialien: [Miro] [PDF]

Darüber hinaus bietet das Handbuch Öffentliches Gestalten weitere Methoden, die zu diesem Schritt passen.

Weitere Inhalte des Handbuchs