Expert:innendialog

Der Expert:innendialog bringt Akteur:innen und Expert:innen (wissenschaftliche ebenso wie Expert:innen der Praxis oder solche der Erfahrung) in produktivem Dialog zusammen und sorgt dafür, dass das vorhandene Wissen in den Prozess aufgenommen wird.

Der Expert:innendialog ist ein Format im Vorprozess. Der Vorprozess dient dazu, den Kontext, die Herausforderungen und Ziele der Maßnahme sowie die damit verbundenen Bedarfe zu Beginn sauber zu definieren. Als Ergebnis steht eine partizipativ erarbeitete und belastbare Maßnahmenbeschreibung, mit der die Umsetzung starten kann. Umfassende Informationen zum Vorprozess hier.

Alles zum Expert:innendialog

  • Beschreibung

    Expert:innendialoge sind intensive Konferenz- und Workshopformate mit dem Ziel, das beste Wissen aus Praxis und Theorie zusammenzuführen, um an den Maßnahmenbeschreibungen konkrete Fragestellungen zu vertiefen und Lösungen zu erarbeiten. Sie sollen die Horizonte aller Beteiligten erweitern und das spezifische Wissen vertiefen. Für die Expert:innendialoge werden die jeweils relevanten Stakeholder ausgewählt und deren Vertretungspersonen und mit Expert:innen zusammengebracht. Die Expert:innendialoge sind eng an den Maßnahmenbeschreibungen in ihren jeweiligen Entwicklungsphasen orientiert und sollen Knoten im Entwicklungs- und Umsetzungsprozess zerschlagen, indem sie das nötige Fachwissen, Inspiration und Praxiserfahrung zusammenbringen und die Grundlage für spezifische Innovationen erarbeiten.

  • Teilnehmende

    • Fachleute aus Politik und Verwaltung (bzw. der Bürgerinitiative, dem Unternehmen)
    • Externe Expert:innen
    • Vertretungspersonen der Stakeholder

  • Ziel

    Ziel im Bezug zur Maßnahmenbeschreibung ist es insbesondere, die transformatorischen Fragestellungen weiter zu schärfen, weitere Stakeholder festzulegen und das bisher Niedergeschriebene unter Zuhilfenahme des Expert:inneninputs weiter auszuarbeiten. Generell geht es darum, dass die bearbeitete Maßnahme dem Stand des vorhandenen wissenschaftlichen und sonstigen Wissens entsprechen soll.

  • Ergebnisse

    • Mögliche Lösungen werden durch Best-Practice-Beispiele greif- und sichtbar.
    • Die Auseinandersetzung mit Expert:innen führt zu einem tieferen Verständnis des Feldes bei allen Beteiligten.

  • Vorteile

    Brandaktuelles Wissen findet seinen Weg in das Problemverständnis der Verwaltung (bzw. der jeweiligen Initiator:innen einer Maßnahme) und macht es einfacher, daraus die richtigen Maßnahmen abzuleiten.

  • Mögliche Herausforderungen

    • Schwierigkeiten bei der Terminkoordination mit Expert:innen
    • Ggf. Notwendigkeit der „Übersetzung“ wissenschaftlichen Wissens in das Verständnis der Beteiligten. Sind solche Schwierigkeiten abzusehen, kann es sinnvoll sein, den Expert:innendialog beispielsweise durch eine:n einschlägig kompetente:n Journalist:in moderieren zu lassen.

  • Exemplarisches Regiebuch

    Ein Regiebuch ist ein klar strukturierter Ablaufplan für ein Format. Beispielhaft zeigen wir hier das Regiebuch zum ersten Expert:innendialog aus der Maßnahme „Hardenbergplatz“.

Methoden für den Expert:innendialog

  • Expert:innenvortrag

    Beschreibung: Eine inhaltliche Einstimmung, die Fachwissen zugänglich macht und eine sachliche Arbeitsgrundlage schafft.

    Mehrwert: Gibt es relevante Zahlen, Daten oder Fakten zur Aufgabenstellung, so können die Teilnehmenden durch einen Expert:innenvortrag auf einen gemeinsamen Stand gebracht werden. Durch die Präsenz eines Experten/einer Expertin können fachliche Fragen zudem direkt geklärt und diskutiert werden

    Ablauf:

    1. Rahmen geben: Wie ist der Ablauf? Wer darf wie lange reden? Gibt es Zeit für Rückfragen? Gibt es ein Signal, wenn ein Teilabschnitt beendet ist? (Zum Beispiel: Glockenklang nach 10 Minuten, wenn Gesprächspartner:innen wechseln sollen)
    2. Relevanz klären: Warum ist das Wissen, der Blickwinkel oder der Ansatz dieser Person wichtig für unser weiteres Vorgehen?
    3. Dem Vortrag Raum geben
    4. Rückfragen Raum geben: Es hilft, eine erste Frage vorzubereiten, um weitere Rückfragen anzustoßen.

    Hinweis: Oft gibt es im Anschluss an Expert:innenvorträge Personen im Publikum, die auch gerne Aussagen tätigen möchten. Hierdurch verwandeln sich Rückfragen schnell in Ko-Referate. Um dies zu vermeiden, sollte genau definiert werden, wofür Raum ist (Fragen) und wofür nicht (Stellungnahmen). Wenn viel Redebedarf besteht, sollte diesem Raum gegeben werden, indem das Format angepasst wird (z. B. Palodium).

  • Palodium

    Beschreibung: Das Palodium ist eine Mischung aus einer Podiumsdiskussion, einem griechischen Kaffeehauspalaver und der Worldcafé-Methode. In mehreren Phasen werden Expert:inneninputs mit Kleingruppendiskussionen verbunden, bevor Diskussionsergebnisse dann jeweils im großen Kreis geteilt werden.

    Mehrwert: Das Palodium verbindet zwei zentrale Anliegen: Zum einen schafft es die Möglichkeit, dass sich in kurzer Zeit viele Teilnehmer:innen einer Veranstaltung über zentrale Themen austauschen und ein erstes Stimmungsbild der ganzen Gruppe zu diesen Themen entsteht bzw. sichtbar wird. Gleichzeitig erreicht es, dass die Fachexpert:innen von allen gehört und wahrgenommen werden und sie ihr Grund- und Sachverständnis als Impuls in die Gruppe geben können.

    Ablauf: Das Palodium ist in drei Phasen aufgebaut.

    • Phase 1: Eine oder mehrere Expert:innen, geben einen Impulsvortrag zum Thema.
    • Phase 2: Die Teilnehmenden diskutieren die Impulse in Kleingruppen. Die wichtigsten Diskussionsergebnisse werden festgehalten.
    • Phase 3: Die Diskussionsergebnisse werden dem gesamten Auditorium vorgestellt und ggf. auf dem Podium diskutiert.
    • Abschluss: Die drei Phasen können mehrmals wiederholt werden. Eine abschließende Diskussion und die Aufbereitung der Diskussionsergebnisse runden das Palodium ab.

    Arbeitsmaterialien:

    • Arbeitsanweisung für Kleingruppen
    • Moderationskarten
    • Stifte
    • Eventuell: Leinwand und Beamer für eine Bildschirmpräsentation

Zusätzliche Methoden

Neben den erprobten Formaten des Vorprozesses mit den dazu passend ausgearbeiteten Methoden gibt es riesige Schätze weiterer Methoden, die bei der Entwicklung einer Maßnahme angewendet werden können. Eine kleine Sammlung wird hier vorgestellt – verbunden mit der Anregung, den eigenen methodischen Werkzeugkoffer selbst kreativ zu erweitern. Die vorgestellten Methoden stammen aus dem „Handbuch öffentliches Gestalten“ des CityLAB Berlin.

  • Akteure kartieren

    Beschreibung: Öffentliche Innovation zielt darauf ab, komplexe Probleme zu lösen und Systeme zu verbessern. Solche Veränderungen können allerdings nur für und mit den Menschen gestaltet werden, die im entsprechenden Umfeld handeln. Mit der Kartierung der relevanten Akteure werden jene Personengruppen benannt, die von den Effekten betroffen oder für die Ursachen verantwortlich sind.

    Mehrwert: Die Akteure nehmen aufgrund ihrer unterschiedlichen Rollen und Interessen unbewusst oder bewusst einen Einfluss auf die Situation. Indem ihre Sichtweise als wertvoller Wissensbestand erkannt wird, können sie im Prozess beteiligt werden. So lassen sich Schlüssel- akteure bestimmen, die im Prozess zu beteiligen sind. Ihre Perspektive inspiriert die Gestaltung von wert- vollen Lösungsansätzen

    Arbeitsmaterialien: Methode zum Download

    Aus dem Handbuch Öffentliches Gestalten S. 90-95 „Akteure kartieren“

  • Wissensatlas

    Beschreibung: Sicherlich tauchen in der Recherche neben dem gesammelten Wissen auch neue Fragestellungen und ggf. Zweifel auf. Bei der Kartierung wird Unwissen nicht verdrängt, sondern aktiv adressiert, um auf konkrete Potenziale hinzuweisen. Wissen und Unwissen können so passgenau in den weiteren Prozess integriert werden.

    Mehrwert: Durch die Nutzung dieser 2x2 Matrix erkennen wir an, dass wir uns in einem komplexen Umfeld bewegen. Die aufgedeckten blinden Flecken bilden die Grundlage, um sie zu bearbeiten und für eine Problemlösung zu nutzen. Wir sehen, was für die Weiterentwicklung am relevantesten ist. Als Team beginnen wir nicht nur über Ähnliches, sondern über das Gleiche zu sprechen.

    Arbeitsmaterialien: Methode zum Download

    Aus dem Handbuch Öffentliches Gestalten – S. 102-105 „Wissensatlas“

Weitere Inhalte des Handbuchs

  • Phase 1: Vorprozess

  • Phase 2: Exploration

  • Phase 3: Erprobung

  • Phase 4: Entwicklung

  • Phase 5: Skalierung

  • Übersicht Handbuch