Digitales Planungstool: Blau-Grüner Infrastrukturplaner (BGI Planer)

Digitales Planungstool

Der BGI-Planer ist eine kartenbasierte Webanwendung, die Mitarbeitende der Berliner Planungsreferate auf Senats- und Bezirksebene dabei unterstützen soll, Maßnahmen für blau-grüne Infrastruktur in neue und bestehende Planungsprozesse zu integrieren. Ziel ist es, die Resilienz Berlins gegenüber den Folgen des Klimawandels wie Starkregen und Hitze zu erhöhen. Das Tool soll strategische Entscheidungen in frühen Planungsphasen erleichtern und in späteren Phasen bei der Umsetzung konkreter Maßnahmen Orientierung bieten.

Aufbau des Tools

Zu Beginn erhalten die Nutzer:innen die Möglichkeit, ihr Projektgebiet direkt in einer Kartenanwendung einzuzeichnen. Zusätzlich können bereits bestehende Planungen, wie zum Beispiel ein geplanter Neubau, im Geodatenformat hochgeladen werden. Das so definierte Projektgebiet kann anschließend in drei unterschiedlichen Modulen analysiert und weiterentwickelt werden.

Das erste Modul dient der Identifizierung von Handlungsbedarfen im Projektgebiet. Den Nutzer:innen werden verschiedene Karten angezeigt, die sich mit den Themen Starkregen, Hitze, Gewässerschutz, Versiegelung und Wasserhaushalt befassen. Zu jeder Karte wird abgefragt, ob der jeweilige Handlungsbedarf im Projektgebiet zutrifft, etwa mit Fragen wie: „Wo gibt es Bereiche mit einer starken oder extremen Hitzebelastung von 35 °C oder mehr?“. Auf diese Weise können die Nutzer:innen einschätzen, wie relevant die einzelnen Themen sind und wo sie räumlich im Projektgebiet auftreten. Am Ende des ersten Moduls wird eine Zusammenfassung der Analyse dargestellt, auf deren Grundlage ein Fazit zu den wichtigsten Handlungsbedarfen für das Projektgebiet gezogen werden kann.

Im zweiten Modul werden die Machbarkeiten und Potenziale für die spätere Planung betrachtet. Dafür werden relevante Potenzialkarten herangezogen, zum Beispiel zum Gründachpotenzial. Gleichzeitig setzen sich die Nutzer:innen mit möglichen Einschränkungen in der Planung auseinander, etwa durch den Denkmalschutz oder den Erhalt des Altbaumbestands. So entsteht ein realistisches Bild davon, welche Maßnahmen grundsätzlich möglich sind und wo Grenzen bestehen.

Das dritte Modul ermöglicht eine erste Planung und Effektbewertung von Maßnahmen. Auf Grundlage der Ergebnisse aus den ersten beiden Modulen (also den identifizierten Handlungsbedarfen und den ermittelten Machbarkeiten) können die Nutzer:innen in diesem Schritt Maßnahmen der blau-grünen Infrastruktur im Projektgebiet platzieren. Dafür steht ein Katalog mit 20 Maßnahmen zur Verfügung, die jeweils in ausführlichen Steckbriefen beschrieben sind. Gleichzeitig liefert das Tool eine erste Einschätzung der Wirkungen dieser Maßnahmen. Die Bewertung erfolgt auf mehreren Ebenen: Mithilfe des Wasserhaushaltsmodells ABIMO wird berechnet, wie sich die Planung auf den lokalen Wasserhaushalt auswirkt. Zusätzlich werden vorberechnete Modellszenarien zu den Themen Hitze und Starkregen angezeigt, mit denen die Nutzer:innen die Effekte ihrer Planung abschätzen können. Darüber hinaus wird auch eine grobe Bewertung der Auswirkungen auf den Gewässerschutz dargestellt. Die Ergebnisse dieser Effektbewertungen basieren auf Modellierungen, die im Rahmen des Projekts „Smart Water“ durchgeführt wurden.

Projektmeilensteine

2023: Entwicklung erster Grundlagen

  • Mai 2023: Die Steuerungsrunde zum BGI Planer fand im Einstein Center Digital Future statt. Rund 20 Stakeholder des Projekts Smart Water entwickelten in Workshops und Rollenspielen erste Anforderungen und Erwartungen an das Tool. Ergebnisse der Steuerungsrunde findest du hier.
  • Juni 2023: In der Maßnahmenwerkstatt der Technologiestiftung Berlin wurden Planungsabläufe der Bezirksämter und Senatsverwaltungen analysiert, um konkrete Anforderungen an den BGI Planer zu formulieren. Dies geschah anhand von vier Planungsszenarien: Neubau, Sanierungsgebiete, Grünflächenplanung und Straßenraumplanung. Die Darstellung dieses Prozesses findest du hier.

    Eine ausführliche Dokumentation der Maßnahmenwerkstatt steht ebenfalls zum Download verfügbar. Weiterhin erfährst du hier, wie eine Maßnahmenwerkstatt abläuft.

2024: Entwicklung des Click Dummys

  • Seit Sommer 2024 entwickelt die Technologiestiftung Berlin einen Click Dummy – eine klickbare Vorlage für die spätere Benutzeroberfläche. Dieser Dummy wird agil mit Planer:innen entwickelt und durch regelmäßiges Testing (sogenanntes Flur-Testing) kontinuierlich verbessert. Expert:innen geben dabei Feedback zur Nutzbarkeit und fachlichen Eignung des Tools.

2025: Usability Testing und Modellerstellung

  • Usability Testing: Im Jahr 2025 wird der Click Dummy von Stadtplaner:innen getestet, um Bedienbarkeit und Nutzerfreundlichkeit zu evaluieren.
  • Modellierungseffekte: Das Kompetenzzentrum Wasser Berlin und die Berliner Wasserbetriebe modellieren die Effekte blau-grüner Infrastruktur auf Stadtklima, Gewässerschutz, Überflutung und Wasserhaushalt. Mithilfe von 1D-, 2D- und 3D-Modellen werden Wetterereignisse für Pilotgebiete simuliert, um z.B. Hitze-Hotspots oder Überflutungsrisiken bei Starkregen sichtbar zu machen. Auch das Überlaufen der Kanalisation in Berliner Fließgewässer wird analysiert, einschließlich der Auswirkungen auf die Wasserqualität.
    Die Ergebnisse fließen direkt in den BGI Planer ein.
  • Prototyp-Programmierung: Im Herbst 2025 beginnt die Programmierung des Prototyps.

2026: Fertigstellung und Übergabe

  • Im September 2026 wird die Arbeit am Prototyp des BGI Planers abgeschlossen sein. Zunächst wird der Prototyp Ergebnisse für die Pilotgebiete Ostkreuzkiez (Friedrichshain) und Alte Schäferei (Pankow) liefern.
  • Die Verstetigung erfolgt durch die Übergabe des Tools an die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen Berlin (SenStadt Berlin). Diese wird für die Weiterentwicklung und die Erweiterung der Datenverfügbarkeit verantwortlich sein.
  • Der Blau-Grüne Infrastrukturplaner ist damit ein entscheidender Schritt, um Berlin nachhaltig und resilient für die Herausforderungen des Klimawandels zu machen.